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2014-04-12

Martin Wolf: Is the Euro Area Crisis Really Over?

An excellent analysis of weakness of €urope and the euro crisis.
Short summary:
A great weakness of  €uropean Union is, that there are less qualified politicians in Brussels.
The loss of competitiveness arised rather due high energy prices than due too high wages!
Measures to strengthen competitiveness did work in southern europe (actually it's still a miracle, that they have worked with falling wages, prices, lower tax revenues and high debts). But the result was only a slight improvement in competitiveness and now there are still many unemployed because there is no one, who wants to invest! (Maybe after bank union is completed, there will be investments.)
Children and families have little future in southern europe, but unemployment (including hidden unemployment and government-sponsored jobs for unqualified) is even not so low in some northern and central countries.
As long as Germany prevented Draghi, the crisis expanded. Draghi knew, what to do and then did it!
Germany has an enormous surplus in private sector. (=huge wealth, savings from the last 50 years)
Europeans are very democratic, peaceful and prudent. There are no extreme left or right-wing parties in most countries, only some populists!
If there will be no economic growth and unemployment keeps up high, what both causes that the welfare state will collapse, we don't know what whould happen.

2014-04-09

Mythos: Mega Inflation seit dem Euro

Diese Sätze sind sehr oft von manchen zu hören:
"Seit dem Euro haben wir eine Riesen-Inflation, die Inflation und der niedrige Zins enteignen uns vollkommendie Inflation frisst uns alles weg."
Doch betrachtet man die Geldmengen M1 + M2 + M3 näher, so sehen wir, dass die Geldmenge von 1970 - 1980 in Österreich um den Faktor 3,5 wuchs, jedoch innerhalb der Gemeinschaftswährung ab 2000 - 2014 gerade um den Faktor 2,2
Es soll mal jemand das in Deutschland ebenfalls recherchieren und ich wette, dass die Geldmenge in den 70ern und 80er Jahre des vorherigen Jahrhunderts auch in Deutschland viel stärker wuchs als seit 2000
http://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=1.3.1

Viele verwechseln weiters Inflation (Steigerung der Geldmenge zur Warenmenge) und Teuerung (Steigerung der Verbraucherpreise)
In Österreich erfolgte seit €-Einführung eine Teuerung, aber nicht aufgrund der Gemeinschaftswährung, sondern weil der Staat Steuern & Abgaben seit 2000 fast ständig erhöhte (neue Steuern & Abgaben erfand) und die kalte Progression bei Lohn- & Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträgen nicht ausglich.

2013-06-18

Draghi denkt nach

Die Banken gaben von 2002 - 2007 an die Südstaaten billige Kredite ohne zu schauen, ob es sich dabei um wertschöpfende, nachhaltige, exportwirtschaftsstärkende Investitionen handelte!
Billige Geld löste damals  Bauboom aus, ähnlich wie billiges Geld in den USA die Subprimemarketkrise auslöste.
Die EZB könnte jedem Bürger auch 1.000€ aufs Konto überweisen oder unbegrenzt ungedeckte Staatsanleihen kaufen, die an den internationalen Märkten oder bei Wohlhabenden des eigenen Landes nicht mehr anzubringen sind.
Ein investmentbanker kann immer weniger als ein Noten Banker,
da Investmentbanken im Gegensatz zu Zentralbanken nicht potentiell unbegrenzte Liquidität haben.
Eine Notenbank hat potentiell unendliche Liquidität, allerdings gerät sie damit schnell in Widerspruch zu ihrem gesetzlichen Aufrag, der heißt:
"Garantie der Geldwertstabilität!"
Fiat Money ist nie ein Problem, solange man Fiats, Ferarri, Mode, Schuhe, Tourismus hat,
selbst dann nicht, wenn Mafia, Papst und die eigenartigsten Regierungen der Welt im eigenen Land sind.
Fiat Money ist besser, als man borgt sich zum Anschlag Geld an den internationalen Finanzmärkten, wird dann auf Rating F- gesetzt & bekommt kein neues Geld und hat nur Beamte ohne Fiats!
Nocheinmal:
Fiat Money heisst keine Geldwertstabilität und ist gut in Staaten mit exportfähiger Wirtschaft, wo viele korrupte Politiker & Mafiosi kassieren. Dem Bürger bleiben Sachwerte und die rein monetären Präsente & Prozente sind nach einiger Zeit eh kaum mehr was wert.
Ist der Staat aber heilos im Ausland überschuldet und gibt dem Druck der internationalen Finanzmärkte nach, kommt er auf blöde Ideen, wie Enteignungen und Zwangsanleihen.
Hier bleiben der Bürgerin nicht einmal Sachwerte.

2013-06-09

Die €urokrise ist und bleibt ein spannendes Thema:

Finanzminister Schäuble sah vor 4 Tagen deutliche Fortschritte in der €uro-Krise: http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/konjunktur-schaeuble-sieht-deutliche-fortschritte-im-kampf-gegen-euro-krise_aid_1005451.htmlund will deutsche Mittelstandshilfe für Spanien und Griechenland:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/euro-krise-schaeuble-will-mittelstandshilfe-fuer-portugal-und-italien-a-904550.html

Griechenland bittet die Troika um Reform Aufschub:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-06/Griechenland-Troika-Entlassungen
und die EZB plant radikale Bankensanierung
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-06/ezb-sanierung-banken-bilanzprobleme

Pimco riet Staatsanleihen von €urozonen Staaten zu verkaufen
http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/kritik-an-ezb-politik-pimco-empfiehlt-verkauf-von-anleihen-aus-euro-zone/8282610.html
Zu Pimco muss ich anmerken:
Im Mai 2013 sind die Anleihenkurse rapide eingebrochen. US-Investmentfonds, die in Anleihen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von zehn Jahren investierten, verloren im Mai durchschnittlich rund 1,8 Prozent. Dies ist das schlechteste Ergebnis seit Oktober 2008, als die Finanzkrise ihren Ausgang nahm. Zum negativen Abschneiden trugen vor allem Fonds bei, die in US-Staatsanleihen investieren. Der weltweit größte Anleihenfonds, der Total Return Fund des Investmentgesellschaft Pimco, verlor sogar 2,2 Prozent, wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichteten.


Für Frankreichs Präsident Hollande ist sie vorüber:
http://de.ria.ru/business/20130608/266269844.html

Die €urokrise ist weder weg noch zurück, wir sind noch immer mitten drinnen.

Frankreich muss sich Sprit für den Krieg in Mali von England borgen:


Sollte Frankreich in gröbere Probleme kommen, dann kann man es nicht Auffangen wie die Peripherie-Staaten!
Frankreich wird dann den €uro in die Luft sprengen! Die Defizite der Länder das Problem. Entgegen allen linken Parolen ist die €urokrise eine Staatsschuldenkrise und Bankenkrise, wie ursprünglich gedacht. Andere EU Länder, wie Polen wollen gar nicht mehr in den €uro und Polen hat ein schönes Wachstum. Seit der €urokrise, gehts in der #EU nur noch um die €urokrise, die #EU27 ist Nebensache! Die ganzen Oststaaten haben keine €urokrise, selbst Slowenien und Slowakei haben keine €urokrise im €, die haben nur maximal den Bankenkrisenteil der €urokrise, nur GIISP Staaten haben die €urokrise. (Griechenland, Italien, Irland, Spanien, Portugal), wobei Italien trotz 120% Schulden weniger Probleme hat, weil es ähnlich wie Japan, viele Schulden im eigenen Land hat und damit wenig den internationalen Finanzmärkten schuldet. Die im Ausland aufgenommenen Staatsschulden dürften nur in dem Maße wachsen, wie auch die Staatseinnahmen wachsen. Das geht meiner Meinung immer entweder über Wirtschaftswachstum oder staatliche Konsolidierung oder Schuldenschnitt oder neue Steuern/Zwangsanleihen oder Hyperinflation oder eine Kombination aus diesen Varianten. (growth, stop spending or smaller state, taxes, bail-in, bail-out, haircut, hyperinflation)

2013-05-07

Prime rates

I think the basic rules for setting the prime rates excercised by http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Greenspan or described in http://en.wikipedia.org/wiki/Taylor_Rule do not work as they worked in past, cause of a globalized financial market, that exists since end of http://en.wikipedia.org/wiki/Bretton_Woods_system and the beginning of http://en.wikipedia.org/wiki/Floating_exchange_rate

Surley Mr. Mario Draghi had to do this, he had no other options, when looking at great public and private debts in southern €urope.
http://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2013/html/sp130506.en.html

In the past, money savers and banks would offer cheap credits to real economy, but today money savers and banks would invest their wealth outside of €uropa, cause of higher interest rates.
Maybe this will create the next bubble or the next crisis of credit.
Here's an example: Banks and companies in nothern europe get cheap credit. Instead of investing this cheap credit in real economy, we could invest it on Australian banks with an interest rate of 4.5%. So we get a credit with 0.5% to 2.0% and in Australia we get interest rates from 3.0% to 4.5%. This is a great deal, isn't it? And further more our invested wealth will become automatically greater, cause of the negative account balance, that let the € devalue against AUS$. So you can become a little bit more richer, when investing in some swaps too.
We have a complete crisis of capitalism, cause you can implement an algorithm how to make more money with money by only looking at bank stability, prime rates and inflation rate.
http://images.brd-schwindel.org/archiv/geldmenge_m2.jpg

2013-05-03

EZB senkt Leitzins um 0,25% Punkte auf 0,5%

Die Hysterie viele Poster in Foren diverser Onlinezeitungen war heute.aufgrund der Leitzinssenkung der EZB um 0,25% Punkte auf nun 0,5% erschreckend. Natürlich wirken Zinsen unterhalb der Inflationsrate entwertend, aber ein Leitzins von 15% wie in Ghana ist auch nicht besser, wenn die jährliche Inflationsrate bei 20% liegt. Dass die Schweiz, Japan, USA alle niedrigere Leitzinsen haben und Großbritannien ebenfalls seit einiger Zeit seinen Leitzins auf 0,5% gesenkt hat, wird dabei übersehen.
Quellen: http://www.leitzinsen.info/welt.htm
http://www.tradingeconomics.com/country-list/interest-rate

Manche Sparer überlegen Kapital auf Sparbüchern von australischen Banken anzulegen, da der Leitzins der australischen Notenbank bei 3,0% liegt und sogar noch leicht höhere Guthabenzinsen auf sichere Spareinlagen gegeben werden!
Aufgrund des flexiblen Wechselkurssystems nach Ende des Bretton Woods wird das Verhältnis von Währungen zueinander durch die Devisenflüsse im Interbankensystem (hier gingen sogar theoretisch auch Geldkoffer, weil es sich um Banknoten unterschiedlicher Währungen handelt) bestimmt. Legen viele Sparer ihr Geld nun in Ausralien an, dann hätte das den gleichen Effekt, wie eine negative Leistungsbilanz der €urozone mit Australien. (Im einen Fall handelt es sich allerdings um reine Kapitaltranfers, bei der Handelsbilanz gibt es auch Warenströme)
Daran sehen wir, dass die alte Greenspan Strategie den Leitzins der realwirtschaftlichen Konjunktur anzupassen (im Hoch hohe Spar- und Kreditzinsen um Inflation zu vermeiden und im Tief durch günstige Kredite die Wirtschaft ankurbeln und Geld von Sparbüchern in Aktien verschieben, bzw. Geld antizyklisch in Unternehmen investieren) in einer globalisierten Welt nicht mehr funktionieren kann. Unabhängig von Konjunkturhochs und -tiefs kann ich mein Geld immer in Sekundenbruchteilen dorthin verschieben, wo das Verhältnis Leitzins/Inflation am höchsten ist. Zusätzlich wird das Wechselkursverhältnis zugunsten der Währung in die transferiert wurde zu der Währung aus der Geld abgezogen wurde aufgrund der flexiblen Wechselkurse minimalst verändert.

P.S.: Es sollte sich jeder einmal selbst fragen:
Ist es möglich, dass der Realzins (Leitzins – Inflation) höher als das Wirtschaftswachstum in einem Währungsraum angesetzt wird?
Wenn ja, wie ohne Blasenbildung und Investitionen in andere Wirtschaftsräume?


P.P.S.: Eine Anmerkung noch zu "Leitzins: Inflation frisst längst die Guthaben der Sparer auf":

F: Wie lange dauert es, bis die Hälfte meines Vermögens vom niederen Leitzins weggefressen wurde?
Inflation Österreich: 2,4%
EZB € Leitzins: 0,5%


Negative Realzinsen: 0,5% - 2,4% = -1,9%
Negativer Zinseszinsfaktor: (100% -1,9%)
x=(98,1%)x = (0,981)x
V * (0,981)x = ½V
(0,981)x = 0,5
x * ln(0,981) = ln(0,5)
x = ln(0,5)/ ln(0,981)
x = 36,133748929202707769755676369974


A: In 36 Jahren, 1 Monat, 17 Tagen, 19 Stunden 38 Minuten 26,231 Sekunden ist bei einem Leitzins von 0,5% und einer jährlichen Inflation von 2,4% jedes Vermögen nur noch die Hälfte wert.

2013-04-28

Österreich: negative Target-2 Bilanz => trotz Exportüberschüsse und Leistungsbilanzplus

Wie viel Geld wird mit Inter-Banküberweisung über Target-2 in der €-Zone getätigt und wie viel wird an Banknoten mit der Postkutsche transportiert?  

These: Target2 misst die Spannungen (=Unausgeglichenheit) der Leistungsbilanz + Zahlungsbilanz - Bankennotenmigration

Laut dieser letzten "Target-Blance of the €urozone" hat Österreich mehr Verbindlichkeiten als Forderungen an das Target-II System der EZB:
Quelle: http://goo.gl/yhaVGe

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=pDATVF7tTFY

Österreich erziehlt aber regelmässig realwirtschaftliche Exportüberschüsse in seiner Außenhandelsbilanz:
Quelle:http://blog.arbeit-wirtschaft.at/warum-osterreichs-leistungsbilanzuberschuss-problematisch-ist/
In der Außenhandelsleistungsbilanz werden aber nicht die reinen Kapitalmarkt Cash-Flows einbezogen. Ich nahm als Ursache der negativen Target-2 Bilanz zunächst folgende Möglichkeiten an:
  •  Kapitalverkehr in den Kapitalmärkten in Form von staatlichen oder private Kredite, die ans Ausland zurückgezahlt werden müssen, wobei wir unserer Verbindlichkeiten trotz unserer guten Exportleistung dem Ausland noch schulden
  • Kapitalverkehr in den Kapitalmärkten in Form von privater Kapitalflucht aus dem Inland, die so hoch war, dass sie unsere gute Außenhandelsbilanz nicht vollständig kompensieren konnte
  • Ein Problem mit nicht getätigten Zahlungen bei Importgütern 
  • Bankenbeteiligung im €-Raum, die da hineinspielen
  • Österreichische Nationalbank lieh sich selbst auch die virtuelle Druckerpresse und druckte damit Target-2 Schuldscheine (als Zahlung für Importe)
Dann las ich eine Studie der österreichischen Nationalbank, die für mich etwas mehr Sinn ergab. Die OeNB sieht in zwei Studien Gründe für die Target-2 Verbindlichkeiten, und begründet es wie folgt:
Kurzfassung: Nach Österreich kommen viele Touristen (auch Tanktouristen) und es ist auch ein LKW-Transitland. Viele heben in Cash in ihrem Heimatland ab und zahlen dann in Österreich beim Tanken (da Benzin hier billiger als in D oder I) oder für Tourismusdienstleistungen. Dieses Geld kommt dann teilweise nur auf österreichische Banken, vieles bleibt aber davon im Umlauf. Wenn der Österreichischer VW Händler aber Autos bestellt, dann fährt er nicht mit dem Geldkoffer nach Wolfsburg, sondern überweist es per Banküberweisung. Das alleine würde die Target-2 Ungleichgewichte von Österreich noch nicht vollständig, aber großteils erklären.

Studie 1 besagt: Leistungsbilanzsaldo != (ungleich) Target-2 Saldo
http://www.bmf.gv.at/finanzministerium/veranstaltungenforu_4524/targetsaldenimeuroz_13783/targetsalden_im_euro-zahlungsverkehr_-_reales_risiko_oder_virtuelle_verbindlichkeit.pdf


Zitate aus Studie 2: http://www.oenb.at/de/img/gewi_2012_q4_analyse2_tcm14-253082.pdf
Insgesamt zeigt die Betrachtung der Migration von Zentralbankgeld aus und nach Österreich, dass systematisch netto Bargeld nach Österreich fließt, während netto unbares Zentralbankgeld über TARGET2 Österreich verlässt.
Zusammenhang zwischen Banknotenmigration und TARGET2 
Die Gegenüberstellung der Salden aus TARGET2 und Banknotenumlaufanpassung zeigt eine auffallend parallele Entwicklung (Grafik 5). In Perioden, in denen Bargeld zufließt, kommt es tendenziell zu einem Abfluss von unbarem Zentralbankgeld über TARGET2 und umgekehrt (Grafik 6). Dies müsste nicht notwendigerweise der Fall sein. Der Zu- und Abfluss von Banknoten wird durch Zahlungsgewohnheiten und andere Charakteristika des baren Zahlungsverkehrs bestimmt.
TARGET2-Übertragungen resultieren ebenfalls aus einer Vielfalt an Transaktionen und Motivationen. Übertragungen in TARGET2 und Transaktionen in Bargeld sind daher im Prinzip unabhängig voneinander, und in anderen Ländern des Euroraums lässt sich derzeit auch keine hohe Korrelation zwischen TARGET2-Saldo und Banknotenumlaufanpassung beobachten (siehe Kasten 1). Strömt jedoch relativ zur Wirtschaftsleistung viel Bargeld in ein Land, wie dies in Österreich nachweislich der Fall ist, so muss zumindest zum Teil ein Ausgleich über TARGET2-Abflüsse stattfinden. Das Argument ist folgendes: Die Bank, die die Banknoten bei der OeNB einliefert, erhält den Betrag auf ihrem Konto bei der OeNB gutgeschrieben. Nun benötigen die Banken aber nur eine relativ geringe Summe an Zentralbankguthaben. Banken orientieren die Höhe ihre Zentralbankguthaben vor allem daran, wie viel Mindestreserve-Guthaben sie im Durchschnitt über den Verlauf der Mindestreserve-Periode bei der nationalen Zentralbank halten müssen.

Die Banken haben grundsätzlich kein Interesse, über das Mindestreserve-Soll hinaus Guthaben zu halten, da diese unter dem Marktzinsniveau verzinst werden. Eine Unterschreitung des Mindestreserve-Solls hingegen führt zu Strafzinsen. Im Durchschnitt der Mindestreserve-Periode wird daher jede Bank versuchen, das Mindestreserve-Soll möglichst punktgenau zu erreichen und überschüssige Guthaben rasch abzubauen.
Die Mindestreserve-Pflicht aller österreichischen Banken betrug im letzten Vorkrisenjahr 2006 im Durchschnitt 5,0 Mrd EUR. In den vier Jahren vor Beginn der aktuellen Krise (2003 bis 2006) wurden jedes Jahr im Durchschnitt netto rund 5 Mrd EUR Banknoten nach Österreich gebracht. Würden die österreichischen Banken die Banknoten einzahlen und ihre Guthaben während eines Jahres anwachsen lassen, so verfügten sie am Jahresende über doppelt so hohe Reserven wie benötigt und erwünscht. Die Banken werden daher versuchen, die Guthaben abzubauen. Eine Möglichkeit ist der Erwerb von Wertpapieren oder die Vergabe von Krediten innerhalb Österreichs. Dabei findet jedoch nur ein Transfer von Zentralbankguthaben zwischen österreichischen Banken statt.
In Summe bleiben die Überschussreserven bei der OeNB bestehen. Im Aggregat betrachtet verbleiben daher nur zwei Möglichkeiten, wie sich das österreichische Bankensystem der
ungewollten Zentralbankguthaben entledigen kann: durch die Rückzahlung von Refinanzierungsgeschäften bei der OeNB oder durch den Transfer ins Ausland (z.B. zum Erwerb von Wertpapieren oder zur Rückzahlung von Krediten). Der ersten Möglichkeit sind Grenzen gesetzt. Österreichische Banken schuldeten der OeNB zwischen 2003 und 2007 im Durchschnitt 8,9 Mrd EUR. Selbst wenn die Banken, die das Bargeld einliefern, und die Banken, die sich bei der OeNB refinanzieren, dieselben wären, was nicht der Fall sein muss, wären nach zwei Jahren alle Verbindlichkeiten bei der OeNB zurückgezahlt. Weitere Zuflüsse würden dann wieder die Guthaben über das Mindestreserve-Soll ansteigen lassen. Damit bleibt auf Dauer nur die zweite Möglichkeit: der Transfer ins Ausland.
Der Erwerb von Wertpapieren oder die Rückzahlung von Krediten im Ausland erfolgt aber über TARGET2. Der Abfluss von Zentralbankgeld über TARGET2 führt wiederum zu einer steigenden Verbindlichkeit der OeNB in TARGET2.
Dieser Zusammenhang kann erklären, warum der TARGET2-Saldo und die Banknotenumlaufanpassung sich zumindest mittelfristig, auf ein bis zwei Jahre gesehen, parallel entwickeln bzw. entwickeln müssen.
Die Erklärung der Entwicklung der Verbindlichkeiten der OeNB in TARGET2 erfordert daher ein Verständnis der Ursachen des Bargeldzulusses nach Österreich.


Links zu Target2:
http://soffisticated.wordpress.com/2013/04/25/target-nachlese
http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/targetar2012en.pdf
http://saldenmechanik.wordpress.com/2013/04/27/target2-und-die-zahlungsbilanz
http://ftalphaville.ft.com/2012/06/27/1062271/that-target2-presentation/
http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.htmlhttps://docs.google.com/file/d/0B_K59_l6emspS0hCZldYWS1jdTg/edit?usp=sharing