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2012-09-12

Die Leistungsgesellschaftslüge

Es gibt ein par konservative und liberale Hardliner, die immer noch - besonders in Deutschland - auf ein rein leistungsgerechtes Pensionssystem pochen. Zum Glück scheint in Österreich der Ausgleichsrichtsatz bei Pensionen, sobald man die 15 Jahre Anrechnungszeit hat und alt genug ist, im Moment nicht in Frage zu stehen. In Österreich sehe ich auch Bemühungen starke ungerechtfertigte Nachteile zum Beispiel für Mütter durch Anrechnen der Karenz- und Betreuungszeit auszugleichen. Allerdings gerecht ist das System dann noch lange nicht, denn ich bekomme meinen Wehrdienst noch angerechnet, ein etwas jüngerer nicht mehr. Es ist gut ein System gerechter zu machen, aber ich will jetzt einmal die Idee des total leistungsgerechten Systems prinzipiell dekonstruieren:

Die Idee eines leistungsgerechten Systems ist die, dass die Leute, die viel Pensionsversicherung einzahlen, nachher noch das entsprechende mehr im Verhältnis zurückbekommen. In Deutschland gibt es die Ideologie, dass es die Leistungsgesellschaft zerstört, wenn der wenig Einzahlende, eine höhere Ausgleichsrente bekäme.
Wenn ich so neo-liberal leistungsorientiert bin, dann kann ich doch auch nur eine rein private nicht-staatliche Rentenversorgung schaffen. Jeder ist dann verantwortlich dafür, wie viel er sich zurücklegt und der geschickte Investor bekommt aufgrund seiner geschickten Investionsleistung gleich viel mehr zurück, als der ungeschickte und unkluge Investor. Das ist den Bürgern und Bürgerinnen hier aber zu unsicher, sie möchten die absolut sichere leistungsorientierte Rente ...und das ist das erste Problem.
Das zweite Problem ist, dein Gehalt hat am wenigsten mit deiner Leistung zu tun, sondern hauptsächlich in welchem Land du bei welcher Firma arbeitest, wie gut diese gerade aufgestellt ist und wie die reale Wirtschaftslage aussieht. Deine Firma kann gezwungen sein durch globale Ereignisse auf Kurzarbeit umzustellen oder dich zu entlasten. Somit stimmt die Leistung zwar, aber es zählt nicht mehr die Leistungsbereitschaft und wirklich leistungsgerecht werden das auch die wenigsten empfinden. Bei staatlichen oder staatsnahen Betrieben kommt es auf die Freizügigkeit des zuständigen Ministers und Aktionismus der dort vorherrschenden Partei an, welches Gehalt du bekommst und welche Pensionsversicherungsbeiträge du jetzt gerade zahlst. Wenn eine strenge Maria Fekter gerade Finanzministerin ist oder die Banken gerettet werden müssen oder der € Beitritt gerade im Gange ist, sind das weitere Einflussfaktoren, die unabhängig von deiner individuellen Leistung vorliegen.

Am wenigsten zählt überhaupt deine individuelle Leistung im angeblich so leistungsgerechten Pensionssystem. 

Im perversesten Fall bekommt derjenige / diejenige eine hohe Pension, die in einem staatsnahen Betrieb arbeitete, wo der Minister äußerst verschwendungssüchtig mit dem Geld umging, der Finanzminister eher sehr freizügig bei der Verteilung war und die Republik gerade viele neue hohe Schulden aufgenommen hatte.
In einem Privatunternehmen im Konjunkturtief, während der €uro Krise wirst du nie soviel wegen Kurzarbeit und unternehmerischen Einsparungen, die nötig sind, um das Unternehmen fit zu halten, leisten können.

Und da ich schon in sehr vielen staatlichen, staatsnahen, privatwirtschaftlichen Betrieben und als Freelancer gearbeitet habe, ist mir leider folgendes widerfahren: Das beste Gehalt bekam ich mit eher wenig KnowHow mit durchschnittlicher Leistung.
Die Idee des leistungsgerechten Pensionssystem stammt noch aus einer Zeit der Hochkonjunktur ohne Generation Praktikum und 1€ Jobs, wo der Gehalt im Alter stets konstant wuchs und fast kein größeres Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Ein Wechsel führte damals auch nie zu wesentlichen Gehaltseinbußen. Dieses System basiert im eigentlichen Sinne auf einer sozialistischen Planwirtschaft, die gewaltsam nicht liberalisierte, aber auch nicht gebändigt und reguliert wurde.
Konjunkturzyklen wurden im Tief nicht durch Kurzarbeit, sondern durch Neuaufnahme von Staatsschulden und Subventionierungen einfach plattgewalzt.

Gerade das pervertiert die leistungsgerechte Pension komplett, weil die Leistung durch vom Staat subventionierten Geldern und neuen Staatsschulden geleistet wurde.

Weiters werden oft Angestellte von der Wirtschaft (teilweise zu recht) kritisiert, wenn sie nicht zu Einbußen auf sehr hohen Niveau bereit sind. (besonders dumm, wenn das Unternehmen dadurch leichter gegen den Sturm gerüstet wäre und eine Schieflage und das Kentern am Riff des Konkurs leichter vermieden werden könnte) Wenn dann die unternehmerisch Klarschiff machende Mannschaft dann in der Pension bestraft wird, die in Untiefen oder aufs Riff steuernde Mannschaft dagegen belohnt wird, halte ich das für ziemlich ungerecht!

Und bitte vergesst nicht:
Das Pensionssystem war auch immer eine soziale Maßnahme um Altersarmut, wie sie in der Zwischenkriegszeit herrschte, für zukünftige Generationen zu vermeiden.
Selbst im neoliberalen Amerika gibt es Armenhäuser für Alte vom Staat oder reformierten Kirchen.
Ein System ohne Mindestrente und ohne dieser sozialen Institutionen ist antisozial.
An alle rein Neoliberalen: Das Rentnerehepaar mit 1500€ Rente gibt das ganze Geld in der Wirtschaft aus, der Pensionist mit 2600€ hortet weiter, beschneide ich die kleinen Renten, fehlt das Geld der Wirtschaft!

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